1918

Zum 1. April 1918 tritt das renommierte Bankhaus S. Bleichröder aus Berlin – nicht zuletzt aufgrund der Konkurrenz der großen Aktienbanken – als Kommanditist bei H. Aufhäuser ein. Das Münchener Bankhaus ändert daher seine Rechtsform in eine Kommanditgesellschaft und firmiert nunmehr als "H. Aufhäuser Kommandite von S. Bleichröder".

H. Aufhäuser verpflichtet sich, fortan in S. Bleichröder "seine hauptsächliche Berliner Bankverbindung" zu sehen. Das Berliner Bankhaus sagt seinerseits zu, dem Münchener Bankhaus Konsortialbeteiligungen einzuräumen und es als Zahlungsstelle bei Emissionen zu benennen. Außerdem ist das Berliner Bankhaus bereit, auf Verlangen einen Kredit "bis in Höhe von 5 Millionen Mark zu gewähren".

1921 kommt es durch die Beteiligung Martin Aufhäusers an S. Bleichröder zu einer Überkreuzbeteiligung zwischen den beiden jüdischen Bankhäusern. Gleichzeitig tritt Ernst Kritzler, seit 1917 Teilhaber von S. Bleichröder, dem Bankhaus H. Aufhäuser bei.

Kommanditvertrag H. Aufhäuser - S. Bleichröder
 
Kommanditvertrag H. Aufhäuser - S. Bleichröder, 1. April 1918
Hintergrund
Der Begründer des Bankhauses S. Bleichröder, Gerson Bleichröder, ist der private Bankier Otto von Bismarcks und dessen enger Vertrauter in Politik und Diplomatie. Gerson von Bleichröder - von Kaiser Wilhelm I. in den erblichen Adelsstand erhoben - hinterlässt seinen Erben 1893 eine der bedeutendsten deutschen Privatbanken. Aufgrund von Streitigkeiten zwischen den Erben verblasst jedoch der Glanz des Bankhauses S. Bleichröder im Laufe der Zeit.

Doch auch die Konkurrenz der großen Aktienbanken und der Konzentrationsprozess bei den Banken macht den kleineren Privatbanken zu schaffen. Daher erscheint es geboten, sich mit Partnern zusammen zu tun, um die Selbstständigkeit weiterhin zu gewährleisten. Vor allem vor 1914 ist der Konzentrationsprozess im Bankgewerbe stark ausgeprägt. Bis 1911 haben acht Großbanken 51 Privatbankiers übernommen. Weitere Privatbankiers werden von Tochtergesellschaften der Großbanken oder von Provinzbanken aufgenommen. Andererseits nehmen neue Privatbankiers ihre Tätigkeit auf; 1913 gibt es insgesamt noch 1.221 Privatbankiers, wobei einige keine wirklichen Bankgeschäfte mehr ausführen. Neben dem Geschäft mit vermögenden Privatkunden sind die Privatbankiers insbesondere beim Geschäft mit internationalen und nationalen Staatsanleihen den großen Aktienbanken weiterhin ebenbürtig (Preußen-Konsortium und das Reichsanleihe-Konsortium).
Zeitläufte

1918: Kriegsentwicklung. Anfang Januar Rede des US-Präsidenten W. Wilsons über Kriegsziele und Friedensvorstellung (Vierzehn Punkte). Friede von Brest-Litowsk zwischen den Mittelmächten und Russland am 3.3.1918. Im März startet eine letzte deutsche Offensive im Westen (Frühjahrsoffensive), die aber letztendlich erfolglos bleibt; der Krieg ist für Deutschland nicht mehr zu gewinnen.